Ich liebe Muffins, aber nur die aus Schokolade!
Nach reiflicher Überlegung, ob ich mir eins gönnen darf, ohne an die Kalorien zu denken, versuche ich die Verpackung zu öffnen. Dieses dauert, so dass mir die Firma noch ein bisschen Zeit gibt, um auf die Kalorienhinweise aufmerksam zu machen, die ich wohl anscheinend vorher im Lebensmittelladen nicht durchgelesen habe.
Denn warum sind diese vier leckeren Süßigkeiten mit einer Frischhaltefolie so einbruchssicher verschweißt, dass ich zum Aufreißen dieser Folie entweder eine Heckenschere oder einen Säbel brauche?
Überhaupt, alle Verpackungen heutzutage sichern ihren Wareninhalt so, als wenn der Konsument erstmal sämtliche “Aufreiß”-Strategien durchgehen muss, bevor er an das Produkt gelangt.
Käse und Wurst zum Beispiel:
Gnädigerweise gibt es Hilfestellungen in Form von klitzekleinen Ecken, die zurück- oder hochzuziehen sein sollen, um die Folie zu öffnen. Diese Ecken sind entweder mit verschweißt und dienen nur der Veralberung, oder sie sind so klein, dass ein Anfassen auch mit 3cm langen Fingernägeln nicht möglich ist. Oder sie reißen sofort, ohne auch nur ein bisschen die Folie zu beschädigen.
Ein guter Haushalt hat dann eine Schere parat, was aber auch nicht immer zwangsläufig zum Erfolg führt, weil manche sogenannten Hilfsecken derart dick mit der Aufbewahrungsbox von Wurst oder Käse verbunden sind, dass nur noch eine Komplettamputation der gesamten Ecke hilft.
Meine Schere ist nun kein 20Euro Gerät, daher habe ich schon verloren, wenn ich viermal amputieren muß. Geht das also auch nicht, muss ein Messer ran. Ich steche an den Innenrand der Aufbewahrungsbox und schneide 2 Seiten auf. Das funtkioniert prima, ist aber völlig gegen Sinn und Zweck des wieder verschließbaren “Deckels”, der sich nach dieser Taktik sofort nach innen zurückrollt und die Hälfte des Innenlebens dem Kühlschrank großmütig zur Verfügung stellt. Gottseidank esse ich keinen Tilsiter.
Auch mit Kleidung ist das so eine Sache: Im Nackenbereich sitzt meist das Firmenschild, festgetackert oder angenäht. Dieses Schild ist nicht etwa aus Stoff aufgeklebt und somit leicht abziehbar, sondern hartnäckig gleich fest mit dem Stoff verbunden. Warum leicht, wenns auch kompliziert geht?
Haben Sie einmal versucht, wenn Sie es eilig haben, ein neu gekauftes Oberteil schnell noch von seinem kratzenden Zettel zu befreien? Und garantiert haben Sie keine Lupe parat haben, um das Kleidungsstück sauber vom Schild zu trennen? Und vielleicht auch nicht eine Flutlichtlampe? Und wenn Sie eine Lupe hätten, besitzen Sie dann noch eine dritte Hand, um Lupe, Bekleidungsteil und Schere gleichzeitig zu benutzen?
Da könnt ich schreien vor Frust! Und ausgerechnet entsteht dann ein Loch im schon lang gesuchten neuen Pulli, wenn ich nicht nur in Eile, sondern auch noch in der “wird-schon-gut-gehen-klappte-ja-auch-mal”-Stimmung bin und ungeduldig daran rumschnippel.
Um das Problem richtig zu komplizieren, ist zusätzlich in einer Seitennaht am unteren Teil des Textils eine Gebrauchsanweisung nicht zu überfühlen, die sämtliche Sprachen beinhaltet und so lang ist, dass diese mit einer aufgedruckten Zentimetermaßeinteilung eventuell noch anders vonnutzen sein könnte. Aufgrund der Länge aber muss sie in die Hose gestopft oder um den Bauch gewickelt werden. Zusätzlich raschelt dieser Lappen auch noch bei jeder Bewegung, weil der Papieranteil den Stoffanteil verdrängt.
Leben sich durch diese Methode irgendwelche Produkthersteller ihre sadistische Ader aus? Oder sind diese Bekleidungsstücke nur für diejenigen gedacht, die masochistisch veranlagt durchs Bekleidungsleben gehen und die Zettel und Schilder brauchen, um Schmerzen zu empfinden? Rauhe Stellen am Nacken? Immer ein schön schmerzverzerrtes Gefühl beim Tragen durch ein ständiges Kratzen im Nackenbereich?
Unfassbar, was ich mir als Konsumentin so alles gefallen lassen muß!
Heide
20.Jan.2010. - 14:49
Ach wie kann ich Deinen Frust über die heutigen Verpackungsmethoden nachvollziehen! Je kleiner der Artikel, desto umfangreicher scheint die Umverpackung zu sein. Ob USB-Stick, SD-Karte oder Knopfzelle: solche Gegenstände werden heutzutage in Blisterpackungen eingeschweißt (ich glaube, dass diese Biester so heißen), die man mit Gewalt und guten Worten kaum aufbekommt. Nach massivem Einsatz von Heckenschere und Meißel bekommt man diese nervigen Packungen schließlich so weit geöffent, dass man den Inhalt behutsam herauspulen könnte. Aber SEHR behutsam, denn die messerscharfen Kanten, die dabei an den Blisterbiestern entstehen, taugen als Mordwaffen!
Ich hasse Verpackungen aus Plastik!