Und sie sah sich um und merkte, dass etwas neu war, obwohl sich räumlich nichts verändert hatte.
Das ist es noch nicht, da ist noch mehr, wo auch immer. Da geht noch was!
Und während sie noch nicht genau wußte, was in Bewegung geraten war, schickte sie unbewusst ihre Gedanken nach draußen, fort aus ihrem Geist ließ sie sie los. Die Gedanken flogen davon, verteilten sich, suchten und fanden einen Empfänger. Und so entstand das, was sie früher für Zufall oder Schicksal hielt.
Lebensveränderungen, räumlich und emotional, kamen auf sie zu und noch etwas: Zeichen, so viele!
Aus allen Windrichtungen kamen sie, sprachen mit ihr, führten das eigene GPS.
“So, wie früher, als ich wußte, dass ich schwanger war,” erinnerte sie sich.
Kaum mit der frohen Nachricht aus dem Arztzimmer heraus, liefen auf der Straße nur noch schwangere Frauen durch die Gegend, es gab ohne Ende Schwangerschaftsklamotten in jedem Laden und Zeitschriften, passend zum Thema.
Das konnte doch kein Zufall sein?
Völlig durchgeplant mit felsenfester Überzeugung und riesiger Begeisterung überschritt sie die neue Lebensschwelle. Aber diesmal war eine reale Portion Selbstsicherheit beteiligt, die es ihr ermöglichten, eventuelle Stolpersteine oder Sackgassen mit einzuschließen, die vielleicht auch einen Weg zurück bedeuten könnten. Das war ihr klar, aber abschrecken konnte es sie nicht.
Und nun geht es doch wieder zurück, aber nur räumlich gesehen. Ein Schritt zurück ist es auf keinen Fall, eher zwei nach vorn. Viel Wunderbares hat sie erleben dürfen, liebe Menschen kennengelernt, durchaus Ungewöhnliche und gerade deshalb so interessante Unikate. Gerade mit diesen kann sie sich identifizieren, gerne zuhören und selbst spannend erzählen.
“Habe ich überhaupt noch Angst vor Krisen?” Nachdenklich buddelt sie in L-2 herum, aber da findet sie nichts.
L-1 gibt die Antwort und verneint: “Keine Angst mehr vor den Krisen, die wir selbst eventuell losgetreten haben, denn diese sind schon vorher überschaubar gewesen.”
Und L-2 sichert es ab: “Das ist okay, soweit bin ich dankenswerter Weise auch schon. Zu allen anderen Krisen sage ich nichts, will ja die Stimmung nicht kaputtmachen! :)
Danke, L-2!
“Gut, dann los, spielen wir unser Spiel “Was nehme ich mit, was lasse ich da”.
L-2, Du fängst an.”
“Okay,” und L-2 lässt die Ärmel hochkrempeln. “Ich packe nichts Negatives ein. Gefühlt war da viel, deshalb mache ich einen Stapel und verstecke ihn. Hmm, ich überleg gerade, ich könnte diesen Stapel wenigstens mit nach draußen nehmen, um ihn nicht in den Räumen zurück zu lassen. Eine Abfalltonne soll draußen stehen und wenn wir das letzte Mal aus der Tür hinausgehen, könnten wir den Stapel dort hinein schmeissen.”
“Eine Abfalltonne? Okay,” antwortet L-1, “aber nicht schwarz, sondern herrlich grün und ganz rein.”
“Warum denn grün, L-2?
“Naja, vielleicht könnte der von Dir zusammengepackte Stapel noch einmal aufgegriffen und durchgeblättert wird. Vielleicht findet sich ein doch nicht so negativer Gedanke darin, wie Du meinst, schon wieder denken zu müssen. Grün ist die Farbe der Hoffnung und wie Du weißt, gehört die Hoffnung zu meinen Emotionen dazu. Was genau willst Du denn stapeln?” …
“L-2eieieiei, haallloooo! Noch da?”
“Menno, ich muss überlegen, L-1. Das ist gar nicht so leicht. Früher war es irgendwie einfacher.”
“Aha, muss ich das jetzt verstehen?”
“Früher wusste ich, nein, dachte ich, dass negative Erfahrungen länger in meinem Glaubenssystem umher irren, aber seitdem Du ständig mitmischt und alles, was ich nicht schnell genug sichern kann, überschreibst, ist es schwieriger geworden. Auch ich lerne ja dazu und merke schon, dass das Positive durchaus einen größeren Haltbarkeitswert besitzt, als das Negative. Oder liegt das schon am Alter?”
Ach ist das schön, die beiden lachen sich ja an.
“Wer war das, L-1?”
“Keine Ahnung, L-2, aber diese Stimme war vorhin schon zu hören und mir ist schon lange klar, dass wir beide hier nicht alleine sind. Körper kann es nicht sein, der ist ja eher schweigsam.”
“Egal, L-1, Tatsache ist, so richtig Negatives fällt mir gar nicht ein, jedenfalls nichts, was mich beunruhigt oder in Stress bringt. Wenn ich so richtig in Ruhe überlege, war doch vieles richtig toll und ereignisreich.”
“Das sehe ich auch so, L-2, voll und ganz stimme ich Dir zu! Lass uns nur das Schöne mitnehmen, die wunderbaren Bilder zu einer faszinierenden Dokumentation zusammensetzen und abspielen, wann immer wir es wollen. Ein weiteres Kapitel schließt sich und ein Neues wird geöffnet. Freuen wir uns alle zusammen über jeden gelebten Lebenstag.”
Heide