Als ich mich für diese wunderschöne Kugel als Symbol meines Lebensknalls entschied, war ich fasziniert von dem Bild der von ihr ausgehenden Lichtexplosion. Ich sah sie als Ganzes, als ein plötzlich ausbrechender Knall aus dem Inneren der Kugel ausstrahlend, hervordrängend, sich kraftvoll ins Universum ausdehnend.
Es ist noch gar nicht so lange her und wieder hat sich die Grafik neu definiert.
Am Anfang des neuen Namens für eine Veränderung, die einem Lebensknall ähnlich sein könnte, hatte ich eine ungefähre Vorstellung von einem zeitlich begrenzten Ereignis, aber heute bin ich mir sicher, dass es nicht annähernd das beschreibt, was es wirklich irgendwann darstellen wird.
Wenn ich die Lichteffekte auf der Grafik nicht als eine Explosion nehme, sondern sie vorausschauend einzelnd mit etwas belege, was ich jetzt in diesem Augenblick als Lebensmoment bezeichnen möchte, dann wäre es wahrscheinlich, dass die Summe der Lichteffekte der Lebensknall sein könnte, der am Ende meiner Lebenszeit ein Ganzes ergeben dürfte. Im Hier und Jetzt wünsche ich mir die Zeit, im allerletzten Lebensaugenblick noch einen abschließenden Beitrag schreiben zu dürfen. Das wäre perfekt und würde alles kompakt zusammenführen.
“Vulkanausbruch”, geschrieben am 02.02.2010, noch gar nicht lange her, aber beim Durchlesen gefühlt schon wieder ganz anders in Erinnerung. Es ist, als hätte den Beitrag eine andere geschrieben.
Vieles stimmt, aber heute bin ich um so viel Erfahrung reicher, dass ich die Schuldzuweisung an andere nicht mehr ganz so unterschreiben würde. Es mag aber auch daran liegen, dass ich heute im Fluss mit Körper, L-1 u. L-2 bin. Das sind diese Zeitmomentaufnahmen, wo ich spüre, dass außer den Dreien noch etwas anderes existiert.
Wie könnte ich dafür einen Namen finden?
L-2 hat sich schon mal darüber aufgeregt, er bezeichnet dieses “etwas” als die “Superadministratorin”, denn dann hat er zu schweigen, sich nicht einzumischen, in Ruhe abzuwarten. L-1 schläft in der Zeit, sicher, behütet.
Mein bewusstes SEIN ? Mein ICH BIN ? Oder Heide ? Ist das so, dass dieser Zustand Heide hervorbringt?
Jürgen schrieb mir heute unter anderem
…bis mir klar wurde, dass du dich gar nicht selbst erfinden kannst. Aber du kannst dich finden. Und immer ein Stückchen mehr von dir entdecken.
Jetzt sitze ich hier und lese solche Sätze, geschrieben von einem Menschen, welcher räumlich so kurz in meinem Leben war, und es dennoch fertigbringt, das zu beschreiben, was ich bisher selbst noch nicht von mir wusste.
Ich entdecke mich selbst, um mich selbst zu finden!
Das wirklich Wunderbare am Leben sind die nicht bewusst herbeiführenden, in keinster Weise vorstellenden Lebensmomente. Sie sind nicht zu erlernen, nicht zu erlesen, nicht zu erwarten, sondern sie sind zu gegebener Zeit da, werden verschenkt an Menschen, die auch mit geschlossenen Augen sehen können, die auch in der Kälte Wärme empfinden, die ihre Gedanken fliessen lassen können, sie als positiver Energieträger dorthin schwingen lassen, wo weder Raum noch Zeit ist, sondern nur der Mensch, der sie erstmals ebenso aufnehmen durfte, wie ich.
Davon bin ich fest überzeugt.
Heute nachmittag ließ ich sie ausschwärmen. Sie huschten aus meinem Zugabteil über die vorbeifliegenden Baumkronen hinaus, nahmen ihr räumlich nur wenig bekanntes Ziel auf, zogen vorbei an einem mit bunten Steinen versehenen Haltestopp und kamen mit Sicherheit an ihr Ziel. Es ist nicht nötig, eine genaue Vorstellung von materiellem Raumgefüge zu besitzen, um die andere Energie zu erreichen. Es bedarf weder einer Telefonnummer noch eines laut gesprochenen Wortes, um die Entfernung zu überbrücken.
Es gibt keine Entfernung mehr.
Heide