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Kommunikation

Geschrieben am 04.02.10 von Heide. Kommentar (0).

Vor einem Jahr wußte ich noch nicht viel von gewaltfreier Kommunikation, aber ich fühlte schon die Magie des ureigensten Bewusstseins. Ich ahnte schon, dass ich mich bewegen muss, um es mir gutgehen zu lassen, aber heute weiß ich ein bisschen mehr, nämlich, dass es immer gut ist, an die Zukunft zu glauben und zu wissen, dass es immer wieder neue Lösungswege gibt und dass ich es nicht zulassen muss, dass mich Menschen oder Umstände in Gefahr bringen dürfen und dass ich ein Mensch bin, der zu Recht zum Leben aller etwas beitragen kann und dass ich sehr stolz auf meine eigenen Fähigkeiten sein darf und dass ich nicht den Mut verliere und immer an mich glaube.

Und dass mein Gegenüber auch ein Recht darauf hat, zu wissen, wie es mir mit der neuen Aufgabe geht und ob ich sie verstanden habe oder welche Hindernisse eventuell zu bewältigen sind. Und ich kann nur immer wieder hoffen, dass auch das Zuhören irgendwann mehr Anhänger finden wird, aber auch da kann ich versuchen zum Trainer zu werden, für diejenigen, die noch nicht so üben konnten wie ich!

Das schrieb ich im November letzten Jahres und im Großen und Ganzen bin ich davon auch noch überzeugt. Allein der zweite Absatz könnte nicht ganz stimmen, ich bin mir nicht mehr so sicher.

Die gewaltfreie Kommunikation ist eine wunderbare Art der realen Problemlösung, wenn ich sie komplett beherrsche. Ziel ist, nicht den Menschen im Vordergrund zu empfinden, sondern exakt nur das zu bewerten, was wirklich an Worten gesprochen wird. Durch die gewaltfreie Kommunikation ist es möglich, sachorientiert zu denken, Empfindungen, wie die Bewertung der Stimmlage, des Aussehens oder der Körperhaltung somit völlig außer Acht zu lassen.

Hört sich gut an, theoretisch jedenfalls. In der Praxis wäre es einfacher mit einem ganz frischen Speicherplatz in meinem Erfahrungs- und Glaubenssystems.

Es wird nämlich dann schwierig, wenn ich die Kraft nicht mehr aufbringen kann, die unendlichen Versuche, sich an die Regeln der guten Kommunikation zu halten, gar nicht erst als negative Erfahrung abzuspeichern, sondern immer wieder neu weiterzumachen, dabei noch das Problem an sich klären zu wollen, gleichzeitig geistig im „Team“ zu bleiben, gleichzeitig privat abzuschalten und gleichzeitig die eigene Motivation zu stärken.
„Multitasking“ wird es genannt, nur leider hängt dieses ganz stark von der Konzentrationsfähigkeit jedes einzelnen ab. Verschiedenes gleichzeitig zu bearbeiten, wird niemals zu gleichen Teilen zu 100% perfekt gelöst. Welches dabei ganz auf der Strecke bleibt, weiß ich erst am Ende, wobei das „Ende“ nicht nur die Erkenntnis in der Lösung des Problems sein könnte, sondern auch das Ende meiner Nerven oder das Ende der gewaltfreien Kommunikation, das Ende des sachorientierten Denkens oder das Ende der eigenen Motivation.

Aber was ist, wenn es überhaupt nicht mehr um die Sache selbst geht, wenn die Problemlösung nicht mehr im Vordergrund steht, sondern nur noch um die Rangordnung in einer Gesellschaft, die vergessen hat, dass wir keine Bewegung im Stillstand erzwingen können, dass wir zwar aus der Erfahrung der Vergangenheit vieles gelernt haben, aber dass wir auch im Heute Neues ausprobieren müssen, um die Zukunft mitgestalten zu können.

Irgendwie hatte ich mir mehr erhofft im neuen zweiten Leben, mehr Toleranz, mehr Miteinander, mehr Großartiges in einem großartigen System.

Da stellt sich mir gerade die Frage, ob es das überhaupt noch ist.

Heide

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