Normal ist das nicht, aber ich sehe es trotzdem immer:
DSDS, die Castingshow! Nur normalerweise rede ich nicht darüber oder nur mit sehr guten Freunden, denn sich zu outen bzgl. DSDS bedeutet immer, sich auch rechtfertigen zu müssen, was für mich reine Zeitverschwendung ist.
7 Millionen Zuschauer sehen im Schnitt diese Suizidveranstaltung von komplett fehlgeschalteten schon im Vorfeld der Auslese selbst ernannten Superstars, die immer noch nicht begriffen haben, dass Grundvoraussetzung für ein Recall eine wenigstens im Ansatz gut klingende Stimme, ein einigermaßen vorzeigbares Gesamtpaket und ein Mindestmaß an motorischen Fähigkeiten vorhanden sein sollte.
Daher wäre es vielleicht eine gute Idee, einen “Recall” schon vor dem Mitschnitt peinlicher Nullpersönlichkeiten zu vergeben, denn unter anderem heißt “Recall” auch “Rückruf” und nicht nur “Wiederruf”, wobei “Wi(e)derruf” auch passen würde.
Für mein Verständnis wäre es allerdings schön, wenn dieser “Recall” schon im sozialen Umfeld, also Familie, Freunde, Klassenkameraden ansetzen würde. Wie viele könnten dadurch vor sich selbst geschützt werden. Diese bedauernswerten Nichtsänger müssen Feinde haben, ihr Umfeld wirft sie dem nach Knallerspass lechzendem Publikum, wozu ich mich auch zähle, zum Fraß vor. Und scheinbar gibt es auch keine Spiegel in greifbarer Nähe, vielleicht eine Entschuldigung für das Klamotten- u. Piercing-Desaster, was in einer schier unglaublichen Vielfalt vorzeigefähig sein soll.
Sind also alle 7 Millionen Zuschauer komplett begeistert vom Miterleben der Geburt eines eventuell neuen Kometen am Showfirmament? Mitnichten! Wahrscheinlicher wird ein Schuh daraus, dass die meisten es ebenso sehen wie ich, nämlich Katastrophenvoyeurismus. Allerdings habe ich aus der Erfahrung der letzten Castingshows durchaus Positives abgespeichert, zum Beispiel so sympatische Ausnahmefälle, wie die etwas mollige Modern-Talking-Sängern, aufgewachsen mit ihrem Bruder in einem Kinderheim und so ansteckend lebensfroh, dass es eine Freude war.
Eigentlich sind diese medialen Fehlauftritte nicht mehr zu toppen, es sei denn, ich erlebe das Trauma dazwischen bewusst mit, was nur noch sehr selten passiert, nämlich die Werbung. Es soll ja immer noch Menschen geben, die sofort wegzappen, bei mir macht das L-2. Beginnt die Werbung, treibt er mich zu irgendwelchen Aktionen an, Emails checken, im Forum lesen oder schnell telefonieren. Gestern abend lebte L-2 wohl seine masochistische Ader aus und ließ die Werbung klar und unzensiert in sich hineinfließen.
Sommerwetter, Terrassenflair, ein fröhlich grinsender Großvater mit adrett angezogenem Enkelkind, beide schwerst konzentriert beschäftigt mit dem Produkt von einem Joghurtfruchtbecher in der Größe einer Urinprobe, knallig bunt und in 1000 Jahren nichtbiologisch abbaubar.
Der Hammer ist dann die wissenschaftliche Erklärung in Form einer Grafik, die zwei Knochen darstellt und den Begriff “Calcium” rüberbringen soll. Kurzfristig dachte ich allerdings, die Werbung für die so dringend notwendige Yoghurt, ohne die ein Kind nicht gesund aufwachsen kann, wäre vorbei und diese naive Malerei preist die Vorzüge von Hundekauknochen an.
Danach malträtiert mich eine perfekt peinliche Hausfrau in einer noch nie benutzten Wahnsinnsküche, einbetoniert in einer grüne Bluse mit aufgestelltem Kragen und so grade stehend, als sei der Bügel nicht entfernt worden, um mit verzücktem Doofblick auf eine kleine Plastikflasche ihren Darm auf Trap bringen zu wollen.
Dieser Blick zeigt deutlich, dass sie sich schon richtig freut, gleich etwas gegen ihre Darmvergasung zu tun und ich frage mich sofort, warum sie überhaupt darunter zu leiden scheint, wenn das Produkt schon im blitzblanken Kühlschrank steht. Auch hier verzichtet die Werbung nicht auf “Malen nach Zahlen”, ich muss mir Augenkrebs über eine peinlich naive Körpergrundrißzeichnung antun, in deren Mitte sich ein paar kleine Kügelchen tummeln, die wohl Darmfäulnis darstellen sollen, und nachdem die grüne Frau die Flüssigkeit heruntergetrunken hat, diese kleinen Kügelchen erschrocken aus der Haut flüchten. Hoffentlich werde ich niemals neben dieser Frau stehen müssen.
Komplett macht der Werbeblock dann noch das Anpreisen von schon lange anerkanntem Gift, nämlich dem Alkohol dargestellt als Biersorte, angepriesen als “Perle der Natur”.
Da hört mein Denken auf! Sage doch keiner, dass wir Menschen nicht in der Lage sein sollen, nicht denken zu können.
Ich habe nichts gegen diese Produkte, die Yoghurt schmeckte meinen Sohn auch gut, die anderen beiden sind nicht auf meinem Speisezettel. Nur dafür Geld auszugeben und dieses als mögliche Werbeform tv-fähig einzusetzen, ist schon irgendwie faszinierend gruselig.
Aber immerhin, es reicht wenigstens dazu, auch diesem Feld einen Beitrag zu widmen.
Heide
02.Feb.2010. - 14:54
GROßARTIG!Danach malträtiert mich eine perfekt peinliche Hausfrau in einer noch nie benutzten Wahnsinnsküche, einbetoniert in einer grüne Bluse mit aufgestelltem Kragen und so grade stehend, als sei der Bügel nicht entfernt worden, um mit verzücktem Doofblick auf eine kleine Plastikflasche ihren Darm auf Trap bringen zu wollen. Bei dieser einmaligen Gelegenheit wollten wir dich fragen ob du nicht vielleicht mal Lust hättest ein Statement zu Bauer sucht Frau abzugeben? Wir sind uns Einheitlich sicher, dass dieser Senf dann noch mehr Stoff für einen lustigen NAchmittag geben wird!=)
02.Feb.2010. - 17:39
Ich greife diese Idee mal auf, allerdings weiß ich gar nicht genau, ob ich diese Quälerei, ohne mich zu übergeben, überstehen werde. Schauen wir mal! Eure Heide