Zu Cool f�r Internet Explorer

Überlebenstraining

Geschrieben am 25.04.11 von Heide. Kommentare (2).

Es wird Zeit,  Du musst hoch, hast schließlich eine Aufgabe übernommen und die wartet auf Ausführung.
Also ab in den Hauswirtschaftsraum.

Zuerst die schwarze kurze Leine schnappen, deren Gewicht Dich an Deine Reisetasche für den Kurzurlaub bei Deiner Familie erinnnert. Jetzt noch die leichte lange Leine dazu, die, die sich fantastisch um die Beine schmiegen kann, natürlich auch um Deine.


Die Karabinerhaken der Leinen schlagen aufeinander und der Ton ist Musik in den Ohren zweier unverwüstlicher Tierbanausen.

Du hörst kleine Rattenfüße und erkennst: Das ist Lucy, der Jack Russell. Du hörst zeitgleich T-Rex-Gestampfe und spannst Deinen Körper automatisch an: Das ist Balu, die Bordeaux-Dogge.

Du weißt, was gleich passieren wird und stellst Dich in Kampfhaltung, um die erste Freudesanspringattacke des Großen abfangen zu können. Erfahrungsgemäß vermeidest Du das am besten, indem Du ihn kurz vor Absprung der Vorderpfoten zum energischen “Sitz” überreden kannst. Das funktioniert,  aber nur, wenn Du den Zeitpunkt des oft erlebten Aufpralls richtig berechnet hast. Ansonsten hast Du als noch aufrecht Stehende Unmengen von  feuchten Hundeschmatzern auszuhalten. Und die blauen Flecken an den Schultern durch die Riesenpranken sind sowieso zunächst nur ein sekundäres Problem.

Diesmal gewinnst Du, Dir ist zwar  warm, aber die Hunde sind an der Leine. Du schaffst es, die Tür aufzumachen, ohne von dem Dicken zerquetscht zu werden. Beide Leinen in einer Hand erstmal kurz halten; mit der anderen muss die Tür noch zugezogen werden.

Lucy hat derweil schon ihre Ausgehposition unter Balus Bauch eingenommen, um zu ihrer Lieblingsbauminsel zu ziehen.
Du versuchst gerade, den Hausschlüssel in die Hosentasche zu würgen, während sich Balus Geduldsgrenze gerade im Minusbereich einpendelt.
Schnell die Leinen auf zwei Hände verteilen und los gehts.

Du erreichst die Lucyinsel und das erste Geschäft wird brav erledigt.
Noch 10 m bis zum Feldweg: Die Leinen sind noch nicht verheddert.

Rechts und links des Feldweges zeigt sich herrliches Auslaufarreal. Wie blöd, dass zwischen April und Juli Leinenzwang herrscht. Für die Vogelnester und Rehkitze völlig sinnvoll, für Hunde aber leider nicht nachvollziehbar.

Rechts wird gestoppt, Lucy will schnüffeln und was die will,  das zieht sie  durch. Unglaublich, über welche Kraft dieses kleine Rättlein verfügt.

Die linke Leine will hundetechnisch gesehen vorwärts und zieht entsprechend der Kraft des Großen.
Du stehst jetzt in der unfreiwillig oft geprobten Streckbankhaltung, wobei Du von weitem gesehen das Bild einer Vogelscheuche abgibst.

“Wer muss warten?” , heißt das Spiel, in dem Du selbstverständlich der Looser bist.  Der Große gewinnt und die Kleine lässt sich ein Stück ziehen, um gleichzeitig hinter Dir die Seite zu wechseln. Jetzt gilt es, elegant eine Pirouette zu drehen und Leine rechts mit Leine links vertauschen.

Balu bremst ab und Du läufst auf, fällst über den breiten Rücken.  Balu tritt zur Seite und auf Deinen Fuß, der in einer Sandalette steckt. Motorradstiefel oder Bergschuhe wären von Vorteil gewesen.

Vorsichtig Fuß MIT Sandalette zurückziehen, da Balu sich zum Abwurf des großen Geschäfts bereithält. Jetzt um 2 Kilo leichter gibt er seiner Freude Ausdruck und wirbelt kräftig mit den Pfoten die staubtrockene Erde auf. Deine Hose war  kurz sauberbeige, jetzt ist sie schmutzig grau. Eigenes Missmanagement, Du hättest die “Hundeausgehhose” überstülpen können.

Lucy bemerkt, dass Balu etwas gefunden haben könnte, was sehr wahrscheinlich ihr “gehört”.
Schnell tippelt sie nach rechts, aber die Leine ist noch links und zieht sich um Dein Bein und Lucys Hinterlauf.

Balu buddelt sich derweil einen Krater. Du versuchst, näher an ihn heranzukommen, um energisch “Aus”, “Pfui”, “Böser Hund” und “Macht man sowas?” zu rufen,  während Lucy vom plötzlichen Ruck überrascht in die Rückenlage fällt und wie ein kleines Erdferkel mit dem Rest der Leine kämpft.

Jetzt zerrst Du am Dicken, um der Kleinen zu helfen und aus den Augenwinkeln entdeckst Du einen Fahrradfahrer, der gleich unbeschadet vorbeifahren möchte.

Wieviele Bewegungen kann ein Mensch gleichzeitig durchziehen? Apropos ziehen, jetzt ist es egal, wer noch auf allen Pfoten oder auf dem Rücken an der Leine “läuft”,  denn Du musst den  Weg freimachen.

Sind  erst 5 Minuten vergangen? Dir kommt das Überlebenstraining wesentlich länger vor und Du ahnst, dass Du heute nicht die 15 Minutengrenze Ausgehzeit knacken wirst, wenn Du Dich nicht willensstark zeigst.

Aber für heute ist es genug mit Durchsetzungspower gewesen.  Du ziehst beide schweißgebadet  nach Hause und lässt den Schwager den großen Gang machen.
Bei ihm benehmen sie sich … sagt er.

Ob das stimmt?

 

Heide

2 Antworten zu “Überlebenstraining”

  1. Schlini

    *__________* Meine Hunde xD Und MEIN Tanti ♥ Das Überlebenstraining hast du aber trotzdem sehr gut gemacht :*

  2. Mann mit blauem Beutel

    Köstlich! Schon lange nicht mehr so sehr gelacht über durchaus nachvollziehbare Probleme ;)

Schreiben Sie eine Antwort:

XHTML: Sie können diese Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>