Zu Cool f�r Internet Explorer

L-1

Meine Seele hat einen Namen.

Sie heißt L-1!
Warum? Der Name ist nur für mich aussagekräftig. Wichtig ist nur, sie hat einen.

Leicht war es nicht, einen Namen zu finden, denn sie überhaupt zu entdecken, dazu hat es ca. 49 Jahre gebraucht.
Dass ich eine besitze, weiß ich seit ca. 2 Jahren, einen Namen hat sie auch erst seit kurzem.


Wo war sie vorher? Verpackt, verschnürt, verscharrt, vollgemüllt im Müll des Seelenrucksacks. Unsichtbar in der Definition meines verkorksten Erfahrungs- u. Glaubenssystems. Die Seele war eine Scheibe, die irgendwie nach dem Tod ins Nirwana entfleuchte, dabei war sie dort gefühlt sowieso schon immer gewesen. Ein Wort, nicht greifbar und ohne Bedeutung, was Esoterisches oder Klamauk, Räucherstäbchen, Wasserpfeife, lange Röcke, derbe Strickpullis, alternative Schals, Entspannungsmusik, Menschen mit Realitätsverlust!

Ja, sie versuchte, anzuklopfen in meinem schon lange kranken Geist, sie sprach, sicherlich mal laut, aber irgendwann nur noch leise, irgendwann flüsternd, irgendwann stumm.

Geist hat auch einen Namen, Geist heißt L-2!
Seitdem L-1 die Klappe aufreißt, musste sich L-2 unterordnen. Dem traue ich nicht mehr so richtig, wenn L-1 spricht. Zu oft getäuscht, zu oft blind gemacht, seelenblind sozusagen.
Verdrängungstaktik, darin war er geübt, Oberflächlich in der Meinungsbildung, schnell in der Vorurteilskreierung oder in der Verurteilungsdramatik zu einzelnen Mitmenschen, Nachbarn, Personengruppen.
Schnell, wenn es galt, Ängste zu schüren, gut in der Satzbildung zu “machs lieber nicht, könnt schwierig werden”, “Du hast schon genug um die Ohren”, “das wird sowieso nichts”, “halt die Klappe”, “sei nicht so vorlaut”, “was geht Dich das an?”, “Hast Du nicht schon genug Probleme?”.

L-2 sorgte für ständigen Stress, kein Wunder, er war der erste, der schrie, egal, was oder welche Situation durchgestanden oder durchgekaut werden musste. Und er stellte ständig Fragen, wie z. B. “Warum ich”, “warum mir”, “warum überhaupt”, “wie kann ich auch das noch durchhalten”. Er suggerierte mir eine kaputte Lebensmatrix, eine dunkle, farblose Welt, und wollte auch die Farbe “weiß” dunkel färben, wegradieren, ausblenden.

Er hatte nicht verstanden, was Leben heißt und was dazu gehört, u. a. alle Farben dieser Welt. Ihm ging es um das Überleben. Das, was nicht mehr auszuhalten war, zerstückelte er in weiße Flecken im Gehirn, nur deshalb weiß, damit die Ärzte in der Dunkelheit des Röntgenbildes noch was sehen konnten, was mit Leere gefüllt war. Vorher waren diese mit dem Tatsächlichen gefüllt gewesen, mit dem Unerträglichen, dem Kranken, dem Verletzten, der Realität halt.

Ihm ging es nur ums Überleben, denn er wußte nicht, dass er Hilfe erwarten konnte und dass diese Hilfe so nah war, wie es näher nicht geht. Er kam nicht auf die Idee, in sich selbst zu suchen, Antworten zu finden auf die Schuldgefühle, die er sich einredete.
Für ihn existierte nur “müssen” und “sollen”. Andere Vokabeln hatte er nicht mehr drauf. So lief er zur dunklen Seite der Macht über, trieb Körper an, bis auch dieser völlig versagte und aufgab.

Körper hat keinen Namen. Nicht, dass ich ihn nicht mag, aber er ist “nur” Ausdruck der Seele, also L-1 regiert auch ihn. Geht es L-1 gut, darf er gut einschlafen, darf sich ausruhen, darf sich fordern, darf gut aussehen. Mit L-2 hat das nix zu tun.

L-2 musste lernen, sich unterzuordnen, eine neue Sprache finden, eine, die L-1 versteht, eine, die L-1 als verbaler Ausdruck dient, damit alle drei, Körper, Geist und Seele im Einklang sind.

“Spüre Dich selbst, dann findest Du Antworten!” Das ist mein Lebensmotto geworden. Nur ich allein trage sie in mir und ich darf jetzt darauf hören!

Heide